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Hühnersuppe für die Seele

Das Manifest der mordernen Selbstverarschung

Du kannst sagen, was du willst, du kannst machen was du willst. Du kannst dich mittags um zwei vor einer Millionen Fernsehzuschauern und hundertfünfzig Studiogästen ausziehen, und es ist nichts Besonderes. Du kannst die Leute nicht mehr erschrecken. kandale sind Erinnerungen an eine Zeit, in der es noch tabus gab. Heute gibt es künstliche Skandale, inszeniert und aufgebauscht. Es gibt kein Lebenb. Künstlichkeit ist unsere Welt. Image ist unser Realitätsersatz. Es zählt nicht was du bist, sondern was die Leute von dir denken. Prestige ist unser höchster Gott. Wir beten abends, dass wir erfolgreicher werden. Dass wir ein anderer mensch sind, wenn wir morgens aufwachen. Dass uns alle lieben und bewundern. Wir höhren abends Tom Jones, und beten, dass es Liebe ist, und am nächsten Morgen wollen wir einen geilen Fick mit dem Kerl usnerer besten Freundin*. Und wir feiern usnere Inkonsequenz und unsere Charakterschwäche, indem wir in die Welt hinausposaunen, dass es alles nur darum geht uns selbst zu verwirklichen. Wir wollen usner leben lang jung und sexy sein. Wir haben keine Ideen. Wir drehen uns im kreis. Es geht um uns. Die Welt ist ich. ich bin die Welt. Ich will bis zu meinem Tod alles erlebt haben, denn danach ist alles egal. ich denke nur an mich. Ich schreibe ein Buch nur über mich. Warum guckst du filme, warum ließt dieses Buch? Hast du keine eigenen probleme? Du liest es um Befriedigung zu bekommen, dass es anderen auch schlecht geht. Du denkst nur an dich, aber alleine willst du auch nicht sein. Du nimmst Drogen, damit es einfacher wird. Du unterhältst dich selbst. Du lenkst dich ab von deiner armseligen Existenz. Du bist schwach. Du bist klein. Du bist ein Furz im großen Scheißhaus des Universums. Du stinkst, du schwitzt, du wichst dir einen, du frisst, du kackst, du vegitierst, bis es vorbei ist. Enlich vorbei. Du verdünnisierst dich ins Nichts. Du hast die Party gerockt, du hattest einen prima Fick. Du warst der Held der Tanzfläche. Du warst der Held des Abends. Der Morgen graut und du hattest die nacht deines Lebens.
Glückwunsch.

aus: "nichts bereuen"
23.2.05 23:35


Außerdem ist die miete zu hoch

Kleine Bestien sitzen im Salzstreuer
Flugzeuge schwirren in der Kaffeekanne
die Hand meiner Mutter klemmt
in der Handtasche, und unter allen Löffeln
gellen Folterschreie von winzigen
Lebewesen.

Im Wandschrank steht die Leiche eines
Ermordeten mit einem brandneuen grünen

Schlips um den Hals
und unter den Dielen schnappt
ein Engel mit bebenden Nasenflügeln
nach Luft.

Es fällt schwer, hier drin
zu wohnen. Sehr schwer.

Bei Nacht sind die Schatten
larvenhafte Kreaturen
Spinnen unter dem Bett
ersticken winzige weiße
Gedanken.



Die Nächte sind schlimm
die Nächte sind sehr schlimm
ich trinke bis zum Umfallen
ich betäube mich, um
schlafen zu können.

Am Morgen, beim Frühstück
sehe ich wie sie auf der Straße
die Leichen wegschaffen
(in der Zeitung steht davon
nie ein Wort).

Und überall hocken Adler -
auf dem Dach, auf dem Rasen
in meinem Wagen. Die Adler
sind alle blind und
riechen nach Schwefel.
Es ist sehr entmutigend.

Leute besuchen mich
sitzen mir auf Stühlen
gegenüber
und ich sehe sie alle
wimmeln von Ungeziefer -
grün und goldgelb
gesprenkelte Wanzen
die sie nie abklopfen.

Ich wohne schon viel zu lange hier.
Es wird Zeit, dass ich
nach Omaha verschwinde.
Es heisst, dort sei alles
wie aus Jade geschnitzt
reglos und ruhig.
Das Wasser soll so still sein
dass ein Stein darin
keine Kreise zieht;
die Olivenbäume
so hoch, dass man in ihnen

schlafen kann.
Ich frage mich, ob das
wahr ist.

Jedenfalls, hier kann ich
nicht länger bleiben.



Charles Bukowski
20.2.05 16:13


an den füßen aus dem fenster...

"Ich mag Hunde lieber

als Menschen und

Katzen lieber als

Hunde und mich

am liebsten von allen, besoffen

in meiner Unterwäsche

aus dem Fenster schauend."



charles bukoswski
26.12.04 20:44


Hach ja, der Hermann Hesse, der Gute

"Ich könnte auch dies erwähnen, dass meine Zeitvergeudung nicht bloß Faulheit und Unordnung, sondern auch bewußter Protest gegen den irrsinnigsten und heiligsten Satz der modernen Welt sei: dass Zeit nämlich Geld sei. An sich ist dieser Satz ja völlig richtig, man kann Zeit leicht in Geld verwandeln, wie man elektrischen Strom leicht in Licht und Wärme verwandeln kann. Irrsinnig und gemein an jenem dümmsten aller Menschheitssätze ist ja nur dies, dass "Geld" unbedingt als Bezeichnung für einen höchsten Wert gesetzt wird."
1.11.04 14:05


Wie verrückt Lust haben auf einen Menschen, in den man nicht verliebt ist –



»O.k., denke ich, ich habe das hier nicht mehr unter Kontrolle. Was jetzt?« Seit 20 Minuten stehe ich in Marks altem weißen Volvo vor meiner Haustür. Genauso lange fluche ich innerlich darüber, dass ich mich nicht entscheiden kann. Denn neben mir sitzt Mark, der mich gerade gefragt hat, ob er noch mit reinkommen soll. Als Antwort bin ich ein bisschen in mich zusammengesunken und habe stumm geradeaus gesehen, durch die Windschutzscheibe in den Nieselregen.



Ich habe ihn an der Uni kennen gelernt, er studiert BWL und ist auch sonst nicht der Typ, den ich klaren Kopfes zu meinem persönlichen Mister Universum wählen würde. Keine Ahnung, warum er von Anfang an meinen Verstand in Blumenerde und meinen Bauch in kochenden Pudding verwandeln konnte. Normalerweise wäre ein solcher Zustand ja damit zu erklären, dass ein fettes Engelchen ein paar rosa Liebespfeile auf mein Herz abgeschossen hätte. Aber das ist es nicht. Da ist nichts als, nun ja, Leidenschaft – und zwar genau das Gegenteil der verkopften Sorte, die in den Stellenanzeigen großer Banken verlangt wird. Es ist eher die verzehrende Variante, wegen der Kriege geführt werden und Menschen in Gummizellen landen. Das Problem: Eigentlich möchte ich nicht, dass jemand, den ich nicht besonders toll finde, diese Art Macht über mich hat. Die hat er nämlich, es reicht ja, dass er mir versehentlich auf den Fuß tritt, damit in mir eine halbe Kernschmelze stattfindet. Nie hätte ich gedacht, dass das Verlangen nach einem anderen Körper so anstrengend sein kann. Zu wissen, dass er auch nicht in mich verliebt ist, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Von einem Verliebten kann man zumindest erwarten, dass er sich nicht absichtlich scheiße verhält. Ein bisschen fühle ich mich, als würde ich mit dem Ticket in der Hand vor dem Flugzeug einer fragwürdigen Airline stehen: Ich könnte demnächst auf einer Insel wie aus einer Kokosduschgelwerbung landen, ich könnte aber auch den schlimmsten Absturz aller Zeiten erleben. Langsam weiß ich überhaupt nichts mehr, nur eins ist klar: Das hier muss noch heute Nacht geklärt werden, sonst werde ich mich später, in einem sehr leeren Bett, vor Ärger verknoten. Abwarten ist nicht drin. Ich hatte schon immer Probleme damit zu glauben, dass morgen auch noch ein Tag sein wird und der Kuchen besser schmeckt, wenn man ihn noch etwas durchziehen lässt. »He«, sagt Mark in meine Grübelei hinein, »soll ich besser fahren?«. – »Äh, nein«, antworte ich schnell und taste mit einer Hand, die wie ein kranker Vogel zittert, in der Dunkelheit nach ihm.



Ich höre, wie er die Luft scharf einzieht, kann seine Lippen spüren, noch bevor sie mich berühren. Und dann bin ich froh, dass ich fest in diesen abgeschabten Polstern sitze, denn den Kuss, der jetzt kommt, würden meine Knie auf der Straße nicht mitmachen. Kann denn etwas, dass sich so gut anfühlt, falsch sein? Vage fällt mir ein, dass genau diese Sorte Fragen Menschen dazu bringt, mit einem Liedchen auf den Lippen direkt in einen Abgrund zu reiten. Aber das ist mir jetzt egal. Vielleicht ist es das Beste, einen Kopfsprung in den Abgrund zu machen und das zu tun, was ich seit Stunden will: mit Mark ins Haus gehen und ihn von Kopf bis Fuß aufessen. Morgen oder übermorgen sitze ich sonst sowieso wieder hier, denn ich bin nicht sehr gut darin, auf Dinge zu verzichten, die ich wirklich, wirklich will. »Na, komm schon«, sage ich zu Mark, stupse ihn in die Seite und sehe, wie auf seinem Gesicht ein breites Grinsen explodiert.



Theresa Baeuerlein
19.10.04 19:46


profilneurose eines mannes

Schön und gut
Ich kann damit leben
daß du mich leiden kannst
das geht nicht nur dir so
ich bin das gewohnt
versuch nicht zu kleben
wenn du's vermeiden kannst
der Prinz bleibt nur knusprig
wenn man ihn schont
Mein Gott muß das hart sein
das Los der Verehrerin
ich tu ja mein Bestes
kann mich nicht zerreißen
so viele Verlobte
Hausfrau bis Lehrerin
man möchte in jeden
Granatapfel beißen
Ich bin halt schön und gut
erfolgreich berühmt und gesund
schön und gut
mit strahlweißen Zähnen im Mund
groß und stark
bescheiden und doch resolut
unbestritten einzigartig
besser als der Rest und schön und gut
Ich geb Autogramme
bis mir die Hand abfällt
für dich deine Mutter
sogar deine Oma
cherchez la femme
das Motto in meiner Welt
allein mein Aroma
haut sie ins Koma
Ich bin nichts Besonderes
ich bin überhaupt nicht wichtig
ein Zappeljesus ohne Biß und Botschaft
ich mach überhaupt nichts
aber gerad das mach ich richtig
ein Ampelmännchen das es nur bei Rot schafft
Denn ich bin schön und gut
gebildet geachtet gut drauf
schön und gut
der Mund bei den Mädels bleibt auf
groß und stark
humorvoll und Rhythmus im Blut
ausgesprochen einfühlsam und
besser als der Rest und schön und gut
Schön und gut
erfolgreich berühmt und gesund
schön und gut
mit strahlweißen Zähnen im Mund
groß und stark
bescheiden und doch resolut
unbestritten einzigartig
besser als der Rest und schön und gut
Schön und gut
Schön und gut
Schön und gut
Schön und gut
Schön und gut
15.7.04 23:39


von Heinz Rudolph Kunze

ich hasse dich
weiß Gott ich hasse dich wie mich selbst
aber das macht ja nichts wir sind alt genug
Haß oder Liebe
für Langstreckenläufer läuft das aufs Gleiche hinaus
beides macht Seitenstechen
bis zum letzten Atemzug
in deinem Fall könnte man versucht sein zu glauben
du wurdest wirklich nur geboren
um mich totzuärgern
aber eines muß man dir lassen
du hast dich dermaßen eingeprägt
eher vergeß ich mich
13.7.04 23:08


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